Neue abc Info-Mail  Juni 2023 – bitte an alle Interessierten weiterleiten. Im Anhang als *.pdf
Informationen und Termine zu energiepolitischen Themen:
https://neckarwestheim.antiatom.net

Liebe Atomkraftgegner*innen, liebe Energiewender*innen,

Nächster Sonntagsspaziergang von uns, dem Aktionsbündnis, am 2. Juli um 14 Uhr
Herzliche Einladung zu unserem Sonntagsspaziergang am 2.7.2023 um 14 Uhr auf dem Wanderparkplatz „Schöne Aussicht“ direkt neben der Kreisstraße zwischen Kirchheim und Neckarwestheim!
Wir führen diesen „Sonntagsspaziergang“ als Kundgebung am Wanderparkplatz durch (ohne Spaziergang zum AKW) und informieren zum aktuellen Stand „Abschalten in Neckarwestheim“ und zu wichtigen Punkten der weiteren Energiewende. Unser Infotisch mit unseren Materialien wird wieder bereitstehen.

Unsere Sonntagsspaziergänge unter dem Motto „Info und Protest“ machen wir in diesem und im nächsten Jahr (in reduzierter Anzahl) weiter. Dies sehen wir als gute Gelegenheit für Interessierte und Aktive sich zu treffen, sich auszutauschen und aktuelle Infos zu energiepolitischen Themen zu erhalten. Denn:

Das Thema „Atom“ ist noch lange nicht vorbei:
-    AKW-Rückbau in Neckarwestheim
-    Standortlager: Langzeitlagerung Atommüll vollkommen ungeklärt
-    Uranfabrik Gronau und Brennelementefabrik Lingen laufen weiter
-    EU-Taxonomie mit grünem Label für Atom und Gas muss gekippt werden
-    keine finanziellen Hilfen auf EU-Ebene für neue Atomkraftwerke
-    weitere dezentrale und regenerative Energiewende jetzt

Diese und andere energiepolitische Themen werden die Inhalte bei unseren Sonntagsspaziergängen sein. Wir halten es für wichtig, sowohl das Thema „AKW-Rückbau der EnBW in Neckarwestheim“ kritisch zu begleiten, als auch weiterhin mit Kundgebungen direkt vor Ort präsent zu sein.

AKW-Aus am 15.04.2023 – die Radioaktivität lässt sich jedoch nicht abschalten!
Am 15. April wurden die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet (Lingen, Isar und Neckarwestheim). Statt Atomausstieg sofort nach Fukushima 2011 lag noch ein langer Zeitraum von 12 Jahren mit allen atomaren Risiken dazwischen.

Was bedeutet das Abschalten von Block 2 bezüglich der radioaktiven Gefährdung?
Es wird jetzt endlich kein weiterer hochradioaktiver Atommüll durch die Produktion von Atomstrom mehr entstehen. Die Gefahr eines Super-GAUs im laufenden Betrieb besteht nicht mehr. Jedoch lässt sich die Radioaktivität nicht einfach abschalten, und die strahlenden Brennelemente im Reaktorkern müssen die nächsten Jahre weiter gekühlt werden – siehe Super-GAU in Fukushima.

Und im Standort-Zwischenlager stehen in den beiden Tunnelröhren bereits 92 CASTOREN mit hochradioaktivem Atommüll. Mit den Brennelementen aus Block 2 werden es voraussichtlich 122 CASTOREN. Klar ist jetzt schon, dass diese weit über den bisher genehmigten Zeitraum von 2046 dort strahlen werden. Die Frage der Langzeitlagerung ist vollkommen ungeklärt.

Weitere dezentrale und regenerative Energiewende jetzt!
Die Ampel-Regierung hat die Zubau-Ziele an neuen Energiewende-Anlagen hochgesetzt, das ist gut so! Jedoch bleiben immer noch Hürden für die rasche weitere Energiewende bestehen, wie:

  • erst bis 2027 und 2032 sollen die Flächen für neue Windräder verpflichtend bereitstehen.
  • der Ausschreibungszwang für jedes Windrad/jeden Windpark bei der Bundesnetzagentur wird beibehalten. Unseres Erachtens muss dieser ersatzlos gestrichen werden.
  • die Sperre mit den Jahresfristen für weitere neue Projekte bei Bürgerenergie-Anlagen, bei denen bei der ersten Anlage die Ausnahmen bei Ausschreibungen für Bürgerenergie bei Windparks bis zu 18 MW, bei PV bis 6 MW galten. Diese Sperren müssen für die weiteren Projekte wegfallen!
  • neue Photovoltaik-Anlagen: weg mit der „Benachteiligung“ bei den Einspeisevergütungen bei Eigenverbrauch, und den Überschuss dann einspeisen. Diese Vergütungen sind deutlich niedriger als bei einer Volleinspeisung. Wir fordern die Anhebung dieser Vergütungen, denn Eigenverbrauch und Überschuss einspeisen ist das wichtigste Modell für den raschen weiteren Zubau der Photovoltaik.
  • Planungssicherheit herstellen und über die Laufzeit von neuen Energiewende-Anlagen eine Mindest-Einspeisevergütung garantieren.
  • nur Marktpreise und Direktvermarktung bieten keine Planungssicherheit für Jahrzehnte.
  • die Erzeugung und die Weitergabe von Strom und Wärme an Dritte muss ohne Behinderungen unbürokratisch möglich sein, gerade auch in Mehrfamilienhäusern und Mietwohnungen.
  • Quartierslösungen für die Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Strom und Wärme ermöglichen, damit diese rasch realisiert werden können.

Praktisch führt die Ampel-Regierung mit ihrer weiteren langfristigen Förderung von Öl und Gas die fossile Bevorzugung weiter. Beim Flüssiggas sollen 12 Terminals mit Milliarden-Zuschüssen errichtet werden, dies mit 20- bis 25jährigen Verträgen! Mit einer raschen Umstellung auf Erneuerbare könnten die bisherigen Fossilen, wie das Gas aus Russland und das Öl, kurzfristig schrittweise ersetzt werden.

Warum Schwerpunkt Wasserstoff statt rasche weitere Energiewende?!
Mit der aktuellen Wasserstoff-Strategie wird eine unsinnige neue große (fossile) Infrastruktur errichtet. Dies geschieht unter Federführung der heutigen fossilen Konzerne, wo dann auch mit Gas Wasserstoff produziert werden soll. Für diese Wasserstoff-Strategie stehen 40 Milliarden Euro zur Unterstützung von Projekten/Firmen bereit. Mit der scheinheiligen Behauptung, die Erneuerbaren in Deutschland wären noch nicht so weit, soll in großem Umfang Wasserstoff importiert werden! Welch eine Augenwischerei!

Wasserstoff-Erzeugung: was ist notwendig im Vergleich zur direkten Nutzung Erneuerbarer?
Die Produktion von Wasserstoff macht nur dann Sinn, wenn „überschüssiger Strom“ aus Erneuerbaren zur Verfügung steht. Oder wenn genügend neue Anlagen dazu errichtet werden können, die jedoch im räumlichen Zusammenhang mit der Abnahme des Wasserstoffs zu Produktionszwecken stehen. Außerdem müssen große Mengen an „zusätzlichem Wasser“ zur Verfügung stehen.
Der Transport von Wasserstoff über große Entfernungen führt wegen den vielen Umwandlungsverlusten dazu, dass nur noch ein Viertel der ursprünglichen Energie zur Verfügung steht.

Wasserstoff und notwendige Umwandlungsschritte:

  • sehr hoher Strombedarf
  • wegen der Umwandlungsverluste muss viel mehr an erneuerbarer Energie erzeugt werden, als bei ihrer direkten Nutzung
  • hoher Bedarf an Wasser mit Aufbereitung
  • große/viele Anlagen mit Elektrolyseuren und Verdichtern sind notwendig
  • Anlagen für die Kühlung auf minus 253 Grad Celsius zum Verflüssigen
  • Häfen/Transport bei minus 253 Grad Celsius
  • Häfen Ankunft/Rückwandlung und weiterer Transport mit Pipelines oder LKWs
  • H2-Verteilung über Tankstellen usw.

Es soll nicht nur aus Norwegen, Kasachstan und Kanada Wasserstoff bezogen werden, sondern auch aus einigen afrikanischen Ländern, wie dem Senegal, Nigeria, Namibia, dem Kongo und Angola.
Für die Produktion von Wasserstoff sind große Mengen an Wasser notwendig. Gerade auf dem Kontinent, der von den Dürren als Folge des Klimawandels seit Jahrzehnten am stärksten betroffen ist, ist das nicht zu vertreten. Wo über 20 Millionen Menschen inzwischen wegen den Klimaschäden als Flüchtlinge leben müssen, soll es eine neue nur Europa dienende Herrschaft der Wasserstoff-Produktion geben. Das lehnen wir ab.

Beispiel Namibia: die Bundesregierung hat unter Beteiligung von deutschen Firmen mit Namibias Regierung ein Abkommen zur Produktion von Wasserstoff abgeschlossen. Dieser soll dort viel günstiger als in Deutschland/Europa produziert werden. Das Projekt hat ein Investitions-Volumen von 10 Milliarden Dollar, dies entspricht dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von Namibia.
Errichtet werden soll eine der größten Wasserstoff-Anlagen weltweit. Auf einer großen Fläche sollen 600 Windräder und zwei große Photovoltaik-Parks gebaut werden. Der Strombedarf der Fabrik für die Elektrolyse liegt bei jährlich 7000 Megawatt, derzeit verbraucht Namibia 600 MW jährlich.
Zur Deckung des hohen Wasserbedarfs wird an der Küste eine große Meerwasser-Entsalzungsanlage gebaut, mit Pipelines zur Elektrolysefabrik. Es sollen jährlich 2 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert werden. Für den Export wird der größte Teil davon in Ammoniak umgewandelt und so zusammen mit dem Wasserstoff nach Deutschland verschifft.
Gelockt wird Namibia mit Verdienstmöglichkeiten und bis zu 3000 Arbeitsplätzen durch die Anlagen. Namibia ist dünn besiedelt und hat nur 2,6 Millionen Einwohner. In der Nähe der neuen Fabrik liegt der Ort Lüderitz, wo die deutsche Kolonialherrschaft ihre Lager hatte und 100.000 Herero und Nama ermordet wurden.

Problem Erzeugung, Umwandlung und Transport von Wasserstoff
Bei einem Bezug von Wasserstoff über lange Strecken aus fernen Ländern gibt es die obigen 7 Umwandlungsschritte mit den jeweiligen Energie-Verlusten, so dass dann nur noch ein Viertel der ursprünglichen Energie zur Verfügung steht.
Deshalb geht es bei der Energiewende immer um die direkte Nutzung von Strom und Wärme aus Erneuerbaren, die keine Umwandlungskaskade benötigen. Erneuerbarer Windstrom kann direkt ohne Umwandlungsverluste genutzt werden.
Photovoltaik wird an den Anlagen von Gleich- in Wechselstrom umgewandelt und kann sofort ohne Verluste genutzt werden, benötigt nur Niederspannungs-/Verteilnetze und keine Hochspannungsleitungen. Photovoltaik wird immer klimafreundlich dezentral erzeugt und genutzt.

Politischer Gegenwind: die dezentrale und erneuerbare Energiewende führt zu neuen Besitz- und Produktionsverhältnissen bei Erzeugung, Speicherung und Verteilung. Sie wird vorwiegend auf regionaler Ebene geplant und umgesetzt und überregional eingebunden.  Hauptakteure sind alle Bürger*innen, die sich engagieren und vor allen Dingen Stadtwerke und zukünftig auch die Industrie, die das Ganze anregen und realisieren.
Dies geht nur ohne die heutigen fossilen Konzerne, die wieder mit neuen Monopolstrukturen und politischer Unterstützung versuchen, die dezentrale Klima- und Energiewende zu ihren Gunsten auszubremsen!

Weitere Planungen von uns:

- ein Sonntagsspaziergang am 8. Oktober wieder um 14 Uhr Wanderparkplatz „Schöne Aussicht“
- Filmveranstaltung mit anschließender Diskussion am Donnerstag, 12.10.23 um 19.30 Uhr, im Demokratischen Zentrum in Ludwigsburg mit einer Dokumentation „Stand Langzeitlagerung von Atommüll“

Infos zu allen Terminen folgen auf unserer Homepage.

Aktuelle Buchtipps:
- Wolfgang Ehmke, das Wunder von Gorleben, Köhring Verlag, 9.80 Euro
- AUS! Ziviler Ungehorsam schaltet Deutschlands Atomkraft AUS! Belleville Verlag, 12 Euro
- Einfach mal abschalten und dann? Geschichte der dt. Atomkraft und ihr Erbe, Oekom Verlag, 34 Euro

Spendenkonto
Wir haben eine neue Kontoverbindung für Spenden.
Neckarwestheim Anti-Atom:        
IBAN:  DE 62 4306 0967 7042 6621 01
BIC:    GENODEM1GLS
GLS Gemeinschaftsbank eG Bochum

Zur Info: da wir als Aktionsbündnis in keiner Rechtsform organisiert sind, können wir keine Spendenbescheinigungen ausstellen. Danke für Eure Unterstützung unserer Arbeit.

Beste Anti-AKW- & Energiewende-Grüße
vom Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
https://neckarwestheim.antiatom.net


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Aktionsbuendnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
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