Liebe AKW-GegnerInnen,

heute vor 20 Jahren hat das AKW Neckarwestheim II (GKN II) den kommerziellen Betrieb aufgenommen - drei Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl.

In einer symbolischen Aktion brachten AKW-GegnerInnen aus der Region zurück, was GKN in 20 Jahren der Bevölkerung 'geschenkt' hat - verbunden mit Glückwünschen zu 20 Jahren Glück beim Betrieb des AKWs.

Im Mittelpunkt der Aktion stand die Forderung, nicht nur den das AKW Neckarwestheim I "konsensgemäß" abzuschalten, sondern beide Blöcke der Atomanlage sofort stillzulegen.

Nicht nur bei der Presse, auch bei der zahlreich anwesenden Polizei stieß die Veranstaltung auf Interesse.

Im Anhang die Presseinfo, und der Artikel aus der Heilbronner Stimme von morgen.

akw-feindliche Grüße!

ps: Sonntag, 26.April, 14 Uhr am AKW Neckarwestheim:
Mahnaktion und Protestaktion: Tschernobyl mahnt - Atomausstieg sofort!





GKN II: 20 Jahre „Restrisiko“
 
AKW Neckarwestheim I und II sofort stilllegen!

Am 15. April 1989 nahm das AKW Neckarwestheim II seinen kommerziellen Betrieb auf. Das in die Jahre gekommene AKW ging als letztes in der BRD ans Netz – ungeachtet all der schlimmen Erfahrungen aus der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im April 1986.
Während in der Politik aktuell nur um die Einhaltung der vereinbarten Reststrommenge von Block I gestritten wird, nehmen AKW-GegnerInnen den 20sten „Geburtstag“ von Block II zum Anlass, mittels passenden Geschenken und Glückwünschen an die AKW-Betreiber die erforderliche  sofortige Stilllegung beider Reaktorblöcke einzufordern.

Das AKW Neckarwestheim II ist nicht mehr neu und modern. Auch für GKN II gilt: Der AKW-Betrieb, die Brennstoff- /Urangewinnung und die hochradioaktiven Hinterlassenschaften sind riskant, auf Dauer und extrem umweltschädlich. Angesichts der Risiken stellt das AKW auch keine Lösung für das Klima-Problem dar.
Der Weiterbetrieb des AKWs Neckarwestheim II bis zum „Sankt-Nimmerleinstag“ steht für das Festhalten an einer Art der Stromerzeugung, die nicht vertretbare Risiken für Menschen und Umwelt birgt, die ineffizient ist, ihren Grund in der Profitmaximierung durch die abgeschriebene Anlage hat und die politisch die innovative Weiterentwicklung hin zu einer Stromversorgung mit 100% regenerativen Energien ausbremst.
Einher geht diese Art der Stromerzeugung mit der Verletzung der Grundrechte auf Leben, körperliche Unversehrtheit und freie Meinungsäußerung.

20 Jahre GKN II sind 20 Jahre zuviel.
Exemplarisch wollen wir zurückbringen, was uns GKN in 20 Jahren 'geschenkt' hat:

- Drei Kisten Atommüll,
- Zwei Säcke strahlende Abluft,
- Zwei Eimer Kühlwasser mit Tritium,
- Zwei Kisten Uran-Tailings,
- Eine Kiste Bestechungsgelder (Gewerbesteuer, Spenden, Stiftung),
- Eine Spritze Krebs,
- Karrenweise Lügen,
- Zwei Dampfwolken Energieverschwendung,
- Zwei Säcke Zwischenfälle, Unfälle und Defekte,
- Einen Karton Seife (Eine Hand wäscht die andere),
- Noch einen Karton Seife (für "Sauberen" Strom),
- Zwei Kübel Fortschrittsblockade,
- Ordnerweise geschönte Genehmigungen,
- Einen Sack Gips, ausgewaschen aus dem Untergrund,
- Eimerweise Beton zur Kühlturmstabilisierung
- Noch mehr Beton, aber in "Zwischen"lagerqualität
- Drei Käfige Polizeistaat
- Zwei Eimer Asse-Lauge
- Einen Schlauch strahlendes Nordseewasser
- Zwei Kanister WAA-Bomben-Plutonium
- Einen Sack (Ver-)Nebel
- Eine Million Jahre geklaute Zukunft

Der Ausstieg aus der Atomenergie muss sofort vollzogen werden. Hierfür werden wir auch in der Zeit des Wahlkampfs entschieden eintreten – und uns nicht auf politische Absprachen, oder auf Zusagen der Atomkonzerne, verlassen.

Neckarwestheim I & II abschalten – jetzt!
100 % erneuerbare Energien sind möglich!

Am Mittwoch, 15. April um 15.00 Uhr am Tor eins überbringen AKW-GegnerInnen in einer symbolischen Aktion dem AKW-Betreiber EnBW ihre Glückwünsche. Schließlich braucht es zum Betrieb eines AKWs auch viel Glück




Heilbronner Stimme, 16.04.09

> Hämische Geschenke zum Geburtstag

Von Andreas Tschürtz

(Die Aktivisten trafen sich gestern vor dem Werkstor des GKN.Foto: Tschürtz)

Neckarwestheim - Die Kraftwerksleitung kam nicht ans Werktor, um sich ihre Geburtstagsgeschenke abzuholen. Das Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim überreichte seine Präsente trotzdem, symbolisch.

Im Gepäck der Aktivisten: Zwei Säcke strahlende Abluft, zwei Kübel Fortschrittsblockade und Trollinger vom Jahrgang Tschernobyl. „Wir bringen exemplarisch zurück, was Neckarwestheim II uns in 20 Jahren kommerziellen Betriebs geschenkt hat“, so der Ludwigsburger Bündnisvorsitzende Markus Steuerwald. Wie Block I, der seit 1976 Strom liefert, gehört für den 47-jährigen Sozialarbeiter auch der 1989 ans Netz gegangene Reaktor II des Gemeinschaftskernkraftwerks Neckar (GKN) „sofort vom Netz“.

Massen wie mit Beginn der Castortransporte nach Gorleben Mitte der 90er mobilisiert die Anti-AKW-Bewegung nicht mehr. Nicht ganz 20 sind es gestern. Einer ist Herbert Würth. „Viele sind der Meinung, man muss nicht mehr demonstrieren. Aber von alleine werden die AKW nicht abgeschaltet“, sagt der 54-Jährige. Nach heutigem Stand wird Block II wohl bis mindestens 2022 Strom liefern. Viel zu lange, findet der Heilbronner Arzt Franz Wagner (45): „Der Weiterbetrieb schiebt die notwendigen Veränderungen in der Energieerzeugung hinaus.“

Gewerbesteuer

Neckarwestheims Kämmerer zieht eine andere Bilanz. Man habe finanziell durch das Kraftwerk profitiert, sagt Walter Link. So wie die ganze Region. „Durch Gewerbesteuerumlage, Kreis- und Finanzausgleichsumlage dürften etwa 75 Prozent unserer Einnahmen verteilt werden“, schätzt er. Was bleibt, genügte der Stadt immerhin für zuletzt 40 Millionen Euro Rücklagen.

Positiv wertet auch GKN-Betriebsrat Franz Watzka die letzten 20 Jahre. Für rund 350 zusätzliche Arbeitsplätze habe Block II in den Achtzigern gesorgt. 400 Eigenbeschäftigte seien es heute. Verständnis für die Demonstranten hat er nur bedingt. „Man muss sich auch der Realität stellen. Wer sagt, Kernenergie gehört weg, muss die Konsequenzen akzeptieren.“ Dazu, so Watzka, gehöre vor allem Kohle.

Nicht nur den Demonstranten bereitet dagegen die ungelöste Zukunft des Zwischenlagers Kopfzerbrechen. „Das Thema betrachten Bürger wie Verwaltung mit Bauchweh“, sagt Kämmerer Walter Link. Mit dem 20. Jahrestag wird der Protest gegen das GKN darum nicht zu Ende sein, ist sich Franz Wagner sicher. „Es wird Zeit, dass man in Heilbronn endlich merkt, dass man eine Zeitbombe im Vorgarten hat.“

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Aktionsbuendnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
Info-tel 07141 / 903363
http://neckarwestheim.antiatom.net