Stuttgarter Zeitung, 06.02.10

> "Die Antiatombewegung formiert sich neu"
> Ludwigsburg Das Aktionsbündnis Neckarwestheim lädt für Sonntag um 14 Uhr zum
Protest. Gefordert wird das Ende der Kernkraft.

Da die Endlagerung von Atommüll ungesicherter denn je sei, sei eine Kehrtwende in der
Atompolitik nicht durchsetzbar, glaubt Herbert Würth, der Sprecher des Aktionsbündnisses.

Die Aktionsgemeinschaft Castor-Widerstand Neckarwestheim lädt unter dem Motto
"Atommüll ist kein Fasching" zu einem Spaziergang ein. Planen Sie ein närrisches Treiben
vor dem Kraftwerk?

Der Titel ist natürlich nur der Jahreszeit geschuldet. Wir wollen klar machen, dass
Kernkraftwerke immer eine Gefährdung darstellen und die Fragen nach den Laufzeiten und
der Endlagerung offen sind.

Was halten Sie für das größere Risiko? Den laufenden Betrieb oder die Endlagerung?

Vor dem Zeithorizont betrachtet, muss ich sagen, die Entsorgung. Seit wir kein Endlager
mehr haben, gibt es auf 40 Jahre genehmigte Kleinlager bei den verschiedenen Kraftwerken.
Das kann keine Lösung sein, da verfahren die Politiker nach der Maxime ,Aus dem Auge,
aus dem Sinn"".

Im Jahr 2000 hat die damalige Regierung den Atomausstieg beschlossen. Welche
Kraftwerke wurden seither abgeschaltet?

Nur Stade und Obrigheim. Für uns ist dieser Beschluss eine Mogelpackung. Ginge es nach
den Regellaufzeiten, hätte Neckarwestheim I im Dezember 2008 abgeschaltet werden
müssen. Aber die spielen ja keine Rolle. Statt dessen gibt es eine Trickserei mit
Reststromlaufzeiten und der so genannten Strommengenübertragung.

Können Sie das erläutern?

Im Normalfall läuft ein Kraftwerk 35 Jahre lang. Aber dadurch, dass die Betreiber an der
produzierten Strommenge tricksen und Werte von Reaktoren, die nie am Netz waren, auf
andere übertragen, können sie alles verzögern. Es gibt kein festes Datum für den Ausstieg,
man hat keine Handhabe.

Der neuen Regierung geht selbst diese - wie Sie es nennen - Mogelpackung zu weit.
Schwarz-Gelb will längere Laufzeiten.

Bisher haben die sich zurückgehalten, weil sie genug andere Probleme haben. Aber die
Antiatomdemonstration im September 2009 in Berlin mit 50 000 Personen dürfte denen auch
klar gemacht haben, dass das schwer umzusetzen sein wird.

Wie schätzen Sie die Stimmung in der Bevölkerung ein?

Ich glaube, dass nach wie vor zwei Drittel der Deutschen den Ausstieg aus der Atomkraft
wollen. Und im Aktionsbündnis erleben wir gerade, dass die Initiativen, die wegen des
geplanten Atomstopps eingeschlafen waren, sich neu formieren. Es gibt eine breite
Mobilisierung nicht nur an den Kraftwerkstandorten.

Wie sieht das in Neckarwestheim aus?

Wir haben im Dezember die Anti-Atom-Spaziergänge wieder belebt und wir hatten mit
vielleicht 40 Leuten gerechnet. Tatsächlich aber sind 200 gekommen.

Ist die Angst vor der Atomkraft größer geworden?

Seit 30 Jahren ist das Kraftwerk in Neckarwestheim in Betrieb. Das heißt auch, es gibt
fortlaufend Emissionen hochgiftiger Stoffe. Außerdem darf seit 2005 kein radioaktiver Abfall
mehr transportiert werden, der bleibt in den so genannten Zwischenlagern vor Ort.

Ein wichtiges Argument für die Befürworter der Kernkraft ist der Verweis auf das Klima:
Keine Energie sei so sauber wie Atomstrom.

Das ist natürlich nur ein Scheinargument, das den Absichten der Lobbyisten den Anstrich
von Wissenschaftlichkeit geben soll. Aber damit würde nur die längst begonnene
Energiewende ausgebremst.

Aber dauert es nicht zu lange, bis alle Energie aus regenerativen Quellen kommt?

Nein, da kann großer Druck aus der Bevölkerung einiges beschleunigen. Darum propagieren
wir auch vehement den Stromwechsel. Ich persönlich habe einen Vertrag mit einem
Versorger, der ausschließlich Strom aus Windkraft produziert.

Die Fragen stellte Ludwig Laibacher.

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Info-tel 07141 / 903363
http://neckarwestheim.antiatom.net



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