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"30 Jahre Widerstand - 30 jahre Freie Republik Wendland"
mit Kerstin Rudek von der BI Lüchow-Dannenberg]
Frankfurter Rundschau, 04.04.10
> Damals ist heute im Wendland
Gastbeitrag von Wolfgang Ehmke
Als am 3. Mai 1980 ein vielköpfiger Zug von Trebel aus in den Gorlebener Wald zog, dorthin,
wo die Tiefbohrung 1004 geplant war, lachte die Sonne. Und es lachten die Protestler. Sie
folgten nämlich der Bekanntmachung des Untergrundamtes 3131 Gorleben-Soll-Leben,
Postfach 1004, um einen Platz zu besetzen, und natürlich wurde als erstes ein
Freundschaftshaus gebaut.
Das sind Orte jener merkwürdigen Verquickung von Protest und Lebensfreude, Aufbegehren
und Begegnung, mit ihrem Mix aus Vortrag, Palaver und Kulturprogramm. Das hat Tradition.
Das erste Freundschaftshaus wurde bei der Platzbesetzung im Wyhler Wald errichtet.
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen, Demonstrationen und Grenzblockaden stürmten
im Februar 1975 nach einer Kundgebung mit 28.000 Teilnehmer/innen Tausende das
Baugelände und besetzten den Platz - es war die "Geburtsstunde" der Anti-Atom-Bewegung.
Viele Geburtshelfer gab es. Da war die Bewegung in den 50er Jahren gegen den Atomtod,
gegen die drohende atomare Bewaffnung der Bundeswehr und die Gefahren der Proliferation
der Atomtechnologie, die ihren militärischen Ursprung gern verleugnete. Schließlich war da
die Studentenrevolte mit ihren Happenings: den Sit- und Go-, den Love- und Teach-Ins.
Republik mit Puppenspiel
Die Freie Republik Wendland, das Hüttendorf auf der Tiefbohrstelle 1004 über dem
Salzstock Gorleben, war das herausragende Beispiel einer Symbiose von Kunst und
Wissen/schaft. Jo Leinen hielt einen Vortrag über Friede und Ökologie. Das Puppenspiel
"Die Bundschuhbauern" wurde aufgeführt.
Walter Mossmann kam und blieb auf 1004 und kreierte das Gorlebenlied. Es gab ein eigenes
Radio, es wurde gefilmt und es gab und gibt Filme über die Platzbesetzung, jene sechs
Wochen "anarchistischen Frühlings" im Mai und Juni 1980.
Freie Republik Wendland (Bild: dpa)
Es gab Dichterlesungen mit Klaus Schlesinger, Wolf Biermann war da und der Juso Gerhard
Schröder. Es gab Rock, Folk und Blues, Schweine, Hühner, eine Solaranlage, ein
Frauenhaus und wo man hinhörte: Diskussionen. Beim Zähneputzen, Abwaschen und auf
dem Donnerbalken. Über Demokratie und Polizeigewalt, über Halbwertzeiten und
Bohrergebnisse.
Es war ein (Über-) Lebensdorf und nachhaltig, nicht nur in den Parolen, die bis heute
Bestand haben: Atomkraft nein - danke mutiert nämlich zu Sonnen-, Wind- und Wasserkraft
- ja bitte. Das Leben auf 1004 war gelebter Widerstand.
Dass Begriffe wie 1004 nicht abgegriffen sind, liegt nicht nur am anhaltenden Widerstand im
Lande gegen die Atomkraft und Gorleben als nukleares Endlager. Es liegt an der politischen
Tagesaktualität.
Erst im Sommer 2009 flog auf, dass nach Auswertung der Tiefbohrungen, zu denen 1004
gehörte, im Mai 1983 auf Weisung der Bonner Regierung unter Helmut Kohl Akten der
federführenden Behörde, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, geschönt wurden.
Bedenken wurden entschärft, die Empfehlung, andere Standorte zu untersuchen, wurde
gestrichen.
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Berlin ist jetzt mit diesen Vorgängen
befasst. Auf diesem schwankenden Grund bewegt sich der Ausbau eines Bergwerks im
Gorlebener Salz als Endlager für hochradioaktive Abfälle.
Und derzeit vergeht kein Tag, an dem in den Medien nicht über den Prototyp von Gorleben,
das absaufende Atommüllendlager Asse, und Gorleben berichtet wird. Denn die Wahl
Gorlebens geschah gegen wissenschaftlichen Rat, daran knüpft heute Norbert Röttgen
(CDU), der "grüne Schwarze", an, er tarnt die Absicht, Gorleben nach dem 10jährigen
Moratorium weiter auszubauen, mit dem Begriff "Erkundung", die aber ist alternativlos -
ergebnisoffen. Da sehen wir aber schwarz für ihn.
Neuanfang
Da lachen die Protestler: Ein Freundschaftshaus in Gorleben steht schon wieder, die Bauern
haben es gebaut. Fast jeden Sonntag wird am Schwarzbau Gorleben demonstriert, jeden
Sonntag halten Christen im Wald eine Andacht.
2009 treckten wir nach Berlin, am 21. April trecken wir nach Krümmel. Wir brauchen sie
immer noch, die Freundschaftshäuser, solange der Kampf gegen die Atomkraft nicht
gewonnen und Gorleben nicht zu Fall gebracht wurde.
Am 4. und 5. Juni, 30 Jahre nach der Räumung von 1004, sind wir alle wieder da. Die "alten"
Junggebliebenen von 1980, die "jungen" Kluggewordenen der letzten Jahre. Rock, Blues,
Filme und ein Wiedersehen wird es geben, wir tanzen, klönen, diskutieren und - umzingeln
den Schwarzbau. Wie hieß es damals? "Turm und Dorf könnt Ihr Zerstören, aber nicht
unsere KRAFT, die es schuf!" Damals ist heute.
Zum Autor
Wolfgang Ehmke ist Mitgründer der Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg und Mit-Initiator der
ersten Anti-Atomdemos im Wendland. Am 3. Mai jährt sich die Gründung der Republik
Freies Wendland zum 30. Mal.
http://fr-online.de/in_und_ausland/politik/doku_und_debatte/2608773_Gastbeitrag-von-
Wolfgang-Ehmke-Damals-ist-heute-im-Wendland.html
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Liebe AKW-GengerInnen,
wir laden Euch recht herzlich zu den beiden Veranstaltungen in Darmstadt (kommenden
Montag) und Ludwigsburg (Dienstag) ein!
> 30 Jahre Freie Republik Wendland - 30 Jahre Widerstand
Im Mai 1980 besetzten tausende von Atomkraftgegnern den Bauplatz für die geplante
Tiefbohrung 1004 bei Lüchow-Dannenberg. Innerhalb weniger Tage entstand ein
"Hüttendorf" mit allen notwendigen Einrichtungen: Öffentliche Küche, Sauna,
Freundschaftshaus, Duschhaus, Solaranlagen, Gewächshäuser, Toiletten, mit Windenergie
betriebener Tiefbrunnen Kirche, Bäckerei, Klinikum, Einreisebehörde mit Passamt,
Ponyreitanlage für Touristen sowie der Freie Wendländische Frisiersalon. Zum ersten Mal
wurde eine autonome, selbstverwaltete Gemeinschaft aufgebaut. Für viele war es ein
wichtiges Erlebnis, daß ein Leben ohne Staat organisierbar ist.
Nach 33 Tagen, am 3 Juni 1980, wurde die Freie Republik Wendland von 10.000 BGS-Beamten gewaltsam geräumt und zerstört.
"Turm und Dorf könnt Ihr zerstören, aber nicht unsere Kraft, die es schuf!“, so hieß es auf
einem Transparent im Hüttendorf 1004. Verdammt lange her. Doch der für eine ganze
Generation identitätsstiftende Geist der Freien Republik Wendland hat sich bis heute in die
aktuelle Castor- und Anti-AKW-Auseinandersetzungen niedergeschlagen.
Anlässlich der Räumung des Hüttendorfs vor 30 Jahren findet im Wendland vom 4. bis 6.
Juni ein Aktionswochenende statt: Ausstellungen, eine Demonstartion (am 5.6.),
Diskussionsrunden, Musikprogramm, Kultur und die Umzingelung des Gorlebener
Schwarzbaus sind bereits angekündigt.
Freund_innen aus der BI Lüchow-Dannenberg sind an diesem Abend zu Gast im DemoZ.
Euch erwartet ein Multimedialer Rückblick auf die „Freie Republik Wendland“ sowie aktuelle
Infos aus erster Hand zum Aktionswochenende ab dem 4. Juni.
Eintritt frei, Spende erwünscht
> Montag, 03. Mai, 20.00 Uhr
Oetinger Villa, Darmstadt ( http://www.oetingervilla.de )
Va.: atomkraftENDE.darmstad
> Dienstag, 04. Mai, 19.30 Uhr
DemoZ Ludwigsburg ( http://www.demoz-lb.de )
Va: Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
Ein Artikel dazu: DDP, 29.04.10
> Vor 30 Jahren wurde die «Republik Freies Wendland» ausgerufen
> Atomkraftgegner besetzten ein Bohrloch in Gorleben
Gorleben (ddp-nrd). Als das «Untergrundamt Gorleben-Soll-leben» am 3. Mai 1980 die
Bohrstelle 1004 über dem Gorlebener Salzstocks für besetzt erklärt und im ganzen Land um
Unterstützung wirbt, macht sich auch der Hamburger Fotograf Günter Zint in seinem
klapprigen Wohnmobil auf den Weg in den Kreis Lüchow-Dannenberg. Der damals 38-Jährige Zint will eigentlich nur ein paar Bilder machen und dann wieder nach Hause fahren.
Doch Zint bleibt. Er verknipst in dem Hüttendorf viele hundert Filme und wird so zum
Chronisten der «Republik Freies Wendland».
Tausende Umweltschützer wollten damals mit der Besetzung die Tiefbohrungen stoppen, mit
denen Bund und Stromwirtschaft den unterirdischen Salzstock auf seine Eignung als
Atommülllager erkunden. Auf sandigem Boden errichten sie ein großes Rundhaus für
Versammlungen und Dutzende Wohnhütten aus Baumstämmen, Stroh und Glas.
«Ich habe mit großer Begeisterung alle verschiedenen Bauarten der Häuser dokumentiert»,
erinnert sich Zint. «Es gab Energiesparhäuser mit Heizung aus Flaschen, die sich in der
Sonne erwärmten und nachts die Wärme nach innen abgaben. Es gab eine Großküche, eine
Krankenstation, eine Kirche, eine Groß-Toilettenanlage und eine Badeanstalt mit
holzbeheizter Badewanne.» Am Dorfeingang entstand ein Passhäuschen mit Schlagbaum,
wo «Wendenpässe» ausgestellt werden und über dem die grün-gelbe Wendlandfahne
flattert.
Die Behörden sind empört und verurteilen den «Rechtsbruch». Niedersachsens
Innenminister Egbert Möcklinghoff (CDU) sagt damals bei einem Besuch im Wendland, dass
die «scheinbare Idylle und das rechtschaffene, ärmliche und gewaltlose Bild nur Kulisse»
seien. Eine Holzhütte mit der Bezeichnung «Fritz-Teufel-Haus» hält für die Anschuldigung
der Lüneburger Bezirksregierung her, die «Republik Freies Wendland» sei ein Refugium für
Terroristen. Teufel war ein politischer Revoluzzer aus der damaligen West-Berliner
Studentenszene.
Der Häuserbau und die frische Luft machen hungrig. «Oft hatten wir abends keine Ahnung,
was es am Morgen zum Frühstück geben würde», erzählt Lilo Wollny. Die damals 54-Jährige
organisierte die Verpflegung für Hunderte Atomkraftgegner auf dem besetzten Platz. In den
Anfangstagen bringen Bauern Kartoffeln und Gemüse, Bäcker liefern kostenlos das Brot vom
Vortag. Frauen aus den Nachbardörfern backen Kuchen, die in der «Republik Freies
Wendland» für eine Spende abgegeben werden. «So kamen wir an Geld, um selber was
einzukaufen», sagt Wollny.
An den Wochenenden reisen Tausende Neugierige an, das Dorf wird zur touristischen
Attraktion von Kaffeefahrten und Familienausflügen. Manche Gäste wollen nur mal gucken,
andere bringen Werkzeug mit und helfen beim Häuserbau. «Eines abends tauchen
unverhofft ein paar Damen im Abendkleid und Herren im Smoking auf und überreichen
etwas verlegen Platten mit Häppchen, die von einer Geschäftseinweihung übriggeblieben
sind», schreibt eine Zeitung. Auch Gerhard Schröder, damals Bundesvorsitzender der
Jungsozialisten, schaut im Hüttendorf vorbei.
Abends spielen Rockbands, Folkgruppen, Theaterkollektive und Liedermacher wie Wolf
Biermann und Walter Moßmann. Göttinger Theologiestudenten bauen im Dorf eine
Holzkirche. Rund 100 Besucher kommen zum ersten Gottesdienst. Die hannoversche
Landeskirche hat kurz zuvor ein Predigtverbot für einen Pfarrer aus dem nahen Gartow
erlassen.
Am 4. Juni wird die «Republik Freies Wendland» von der Polizei geräumt. Rund 10 000
Beamte umstellen das Hüttendorf, Hubschrauber donnern im Tiefflug über die Baumwipfel.
«Das sah aus wie Bürgerkrieg und fühlte sich auch so an», sagt die Grünen-Politikerin
Rebecca Harms. Die Küchencrew hat ihren letzten Einsatz. «Wir haben noch Tee und Suppe
gekocht, als die Räumung schon begonnen hatte», berichtet Lilo Wollny.
5000 Atomkraftgegner sitzen an jenem Tag singend auf dem Dorfplatz. Beamte zerren die
Demonstranten aus der Menge, vereinzelt kommen Schlagstöcke zum Einsatz.
Raupenfahrzeuge walzen die Hütten nieder. Günter Zint beobachtet den Einsatz aus dem
Fenster eines Hauses. Sekunden nachdem er das Gebäude verlässt, rammt ein Bulldozer
den Bau. Die Hütte fällt in sich zusammen.
«Reine Glückssache», sagt Zint, «dass ich diese Situation überlebt habe.» Trotz dieses
Angstmoments überwiegen bei dem Fotografen die guten Erinnerungen an die Republik
Freies Wendland. «Es waren viele aufregende Wochen mit einer tollen Solidarität unter den
Bewohnern», sagt er. «Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.»
(ddp)
akw-feindlichen Grüße
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ka-news.de - Fotogalerie, 9.04.10
> Galerie: Demonstration bei EnBW Hauptversammlung
ka-news.de, 29.04.10
> Greenpeace protestiert bei EnBW-Hauptversammlung
Karlsruhe (ps) - Greenpeace-Aktivisten demonstrieten heute vor der Hauptversammlung des
Energieversorgers EnBW gegen dessen Ankündigung, seinen Reaktor Neckarwestheim I
nicht vom Netz zu nehmen.
Eine ähnliche Greenpeace-Aktion fand bereits vor einem Jahr in Harrisburg statt.
Foto: Hans Fischer
Die Aktivisten ließenen sich zwischen gelben Atommüllfässern wie tot zu Boden fallen und
wollen damit symbolisch auf die tödliche Gefahr von Störfällen oder Terroranschlägen auf
Atomkraftwerke hinweisen. Überdies forderten sie mit Bannern vor der Stadthalle des
Kongresszentrums in Karlsruhe ein Umdenken in der Geschäftspolitik der EnBW. Die
Aktionäre sollen für den Ausbau regenerativer Energien stimmen, anstatt an der Atomkraft
festzuhalten.
"Die Geschäftspolitik der EnBW ist rückwärts gewandt und unverantwortlich. Sie sollte ihre
Milliardengewinne lieber in den Ausbau Erneuerbarer Energien investieren, statt sie als
Dividende an Großaktionäre wie den staatlichen französischen Atomkonzern Electricité de
France (EdF) auszuschütten", heißt es in einer Pressemitteilung von Greenpeace-Aktivist
Stephan Späth.
Und weiter: "Altreaktoren wie Neckarwestheim sind störanfällig und gehören sofort vom
Netz." Gegen Neckarwestheim I spreche nicht nur der mangelnde Schutz der Anlage vor
Terroranschlägen und Flugzeugabstürzen, sondern auch der Standort auf geologisch
instabilem Grund in einem ehemaligen Steinbruch.
Laut Atomkonsens sollte das Kraftwerk schon Ende 2008 vom Netz gehen. Durch eine
Drosselung der Stromproduktion verzögerte sich dies zunächst bis April 2010. Nun bleibt der
Reaktor bis voraussichtlich Herbst 2010 in Betrieb, da er die nächsten Monate nach einer
Ankündigung der EnBW auf nur 30 Prozent seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit gefahren
wird. Damit soll der Reaktor so lange am Netz bleiben bis die Bundesregierung den
Atomausstieg kippt - so jedenfalls Greenpeace.
Der EnBW-Konzernpressesprecher Ulrich Schröder bestätigte gegenüber ka-news die
Demonstration. "Es ist jedermanns gutes Recht, zu demonstrieren", sagte er und ergänzte:
"Nicht nur Greenpeace, auch wir standen und werden während der gesamten Zeit der
Hauptversammlung auf der Straße stehen, um in direkten Dialog etwa mit Passanten zu
treten." Es sei bisher ein offener und fairer Austausch gewesen. Greenpeace habe seine
Stände inzwischen abgebaut.
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Wiesbadener Kurier, 26.04.
"Das ist unser Frühlingserwachen"
Von Christoph Risch
BIBLIS Unerwartet große Menge der Demonstranten sorgt in der Anti-Atomkraft-Bewegung
für Aufbruchgefühle
10 000 Teilnehmer, wie die Polizei sagt, oder 20 000, wie die Veranstalter behaupten? Egal:
Es kamen auf jeden Fall sehr viel mehr Menschen als erwartet nach Biblis, um zwei Tage vor
dem 24. Jahrestag der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl gegen die Atomkraft zu
demonstrieren. Aufgerufen hatten dazu zahlreiche Anti-Atomkraft-Initiativen aus
Süddeutschland. Dass so viele kamen, ist für Matthias Weyland vom Bund für Umwelt und
Naturschutz angesichts der aktuellen Debatte um den Ausstieg vom Atomausstieg kein
Wunder: "Die Bevölkerung ist die Trickserei der Betreiber und der Politik leid, die Wut ist
enorm."
Volksfeststimmung
Die Stimmung auf dem großen Parkplatz direkt vor dem Eingang zum Atomkraftwerk glich
dennoch eher der eines Volksfestes als einer Protestaktion. Die Nutzung des Parkplatzes
war vom Unternehmen geduldet worden. Bis auf einige Rauchfackeln, die abgebrannt
wurden, blieb die Aktion absolut friedlich. Befürchtungen, Aktivisten des "Schwarzen Blocks"
könnten die Demonstration für Randale nutzen, bewahrheiteten sich jedenfalls nicht.
Polizeisprecher Karlheinz Treusch: "Keine besonderen Zwischenfälle." Dabei war die Polizei
auf alle Möglichkeiten vorbereitet: Zahlreiche Polizisten hatten sich rund um das
Atomkraftwerk verteilt - die genaue Zahl wollte Treusch nicht nennen.
Weil das Gelände weiträumig für den Pkw-Verkehr abgesperrt war, mussten die mit Bussen
und einem Sonderzug angereisten Demonstranten lange Fußmärsche im Kauf nehmen.
Manche kamen so spät, dass sie die vier kurzen Reden gar nicht mehr erlebten.
Vertreter von SPD und Grünen, darunter die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit
Conrad (SPD) und der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sowie die
hessischen Grünen-Vorsitzenden Kordula Schulz-Asche und Tarek Al-Wazir, mussten sich
von dem Wiesbadener Atomkraftgegner Michael Wilk vorwerfen lassen ihre Parteien seien
wegen des Atomkompromisses mit Schuld daran, dass die Atomkraftwerke noch immer am
Netz seien. Die Linken, ebenfalls angereist, waren von der allgemeinen
Politikerbeschimpfung ausgenommen. Die Kraftwerksbetreiber nannte Wilk Kriminelle, was
sie täten, sei Körperverletzung.
Trotz aller scharfen Worte: Auch die "Umzingelung" des Kraftwerks verlief ohne
Zwischenfälle. Die vier Kilometer lange Strecke konnte wegen der Menschenmenge ohne
Not vollständig besetzt werden. Das anschließende "Die in", bei dem sich die
Atomkraftgegner für fünf Minuten tot stellten, um auf die Gefahren durch die Atomkraft
hinzuweisen, lief ebenfalls glatt über die Bühne. Für Herbert Würth vom Aktionsbündnis
Neckarwestheim steht angesichts des Erfolgs dieses Aktionstags fest: "Das ist das
Frühlingserwachen der Atomkraftgegner."
http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rhein-main/8810593.htm
Neues Deutschland, 26.04.2010
Öko-Veteranen und ihre Enkel
20 000 Menschen zogen vor das Atomkraftwerk in Biblis
Von Hans-Gerd Öfinger, Biblis
Große Resonanz auch in Hessen: Höhepunkt des dortigen Protestmarsches war eine
Menschenkette rund um das Kraftwerksgelände.
Demonstranten in Biblis: »Panikmache der Industrie«
Foto: dpa
Über dem südhessischen Biblis strahlte an diesem Samstag die warme Frühlingssonne
ebenso wie die Gesichter der Demonstranten, die in einem kilometerlangen
Demonstrationszug zum ältesten Atomkraftwerk der Republik zogen. Die rund 20 000
Demonstranten ahnten bald, dass sie Teil einer wieder anschwellenden Protestbewegung
waren, die so viele Menschen auf die Straße bringt wie seit 20 Jahren nicht mehr.
In Biblis waren alle Altersgruppen vertreten, Öko-Veteranen aus den 1970er Jahren ebenso
wie ihre Kinder und Enkel. Viele hatten eigene Schilder und Transparente mit Aufschriften
wie »Wer Atom spaltet, spaltet die Gesellschaft« mitgebracht. Höhepunkt der Protestaktion
bildete die Umzingelung des Kraftwerksgeländes und das »Die-In«, ein symbolisches
Schausterben, zu dem sich die Demonstranten fünf Minuten stumm auf den Boden legten.
Auch SPD, Grüne und LINKE hatten viele Menschen mobilisiert und setzten sich mit ihren
Plakaten, Fahnen, symbolischen Müllfässern und Schutzanzügen kameragerecht in Szene.
Bei der Abschlusskundgebung vor dem Kraftwerk allerdings kamen keine Parteienvertreter,
sondern Sprecher regionaler Umweltgruppen und Bürgerinitiativen zu Wort. So kritisierte der
Notfallmediziner Michael Wilk den »faulen Atomkompromiss« der ehemaligen rot-grünen
Bundesregierung. Und Herbert Würth von der Initiative gegen das AKW Neckarwestheim
forderte die Zuhörer zu einem »Stehempfang« für den anstehenden Castor-Transport in das
niedersächsische Gorleben im kommenden November auf. So entstehe »Druck, an dem
keiner vorbeikommt«.
Schlaglicht auf das gesellschaftliche Kräfteverhältnis wirft auch die Tatsache, dass eine von
der Atomlobby geförderte Demonstration pro Atomstrom im vergangenen September in
Biblis allenfalls 1500 Menschen auf die Straße brachte. Dies waren überwiegend
Auszubildende aus Kraftwerken in der ganzen Republik, die auf Arbeitgeberkosten in einer
Art Betriebsausflug herangekarrt worden waren. Erhard Renz vom Bündnis AKWende lässt
diese »Panikmache« der Atomlobby mit den Arbeitsplätzen als Folge des Atomausstiegs
nicht gelten: »Bei erneuerbaren Energien entstehen bundesweit täglich 80 neue
Arbeitsplätze.«
Atomkraftgegner aus Rheinland-Pfalz warben in Biblis für eine weitere Demonstranten pro
Atomausstieg, die heute durch Koblenz ziehen wird. Da auch hier ein breites Bündnis
aufgerufen hat, erwarten die Veranstalter mindestens 2000 Teilnehmer.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/169813.oeko-veteranen-und-ihre-enkel.html
Frankfurter Rundschau, 26.04.10
Fünf Minuten Atomtod in Biblis
Tausende Demonstranten vor AKW
Von Jutta Rippegather
Demonstranten (Bild: dpa)
Biblis. Sie stehen dicht gedrängt. Nebeneinander. Schulter an Schulter. Rund vier Kilometer
misst die Menschenkette, die das Atomkraftwerk umzingeln. Sirenengeheul - und auf einen
Schlag schlägt das fröhliche bunte Spektakel um in eine düstere Szenerie. Wie Fliegen fallen
die Leute auf die Erde: Kinder, Junge, Alte. "Die gesamte SPD liegt am Boden" schreit ein
Mann in sein Handy, als er die Gruppe prominenter hessischer Genossen passiert.
Fünf Minuten dauert der Spuk. Dann erwachen die Demonstranten wieder vom symbolischen
Atomtod. Sie stehen auf, klatschen, skandieren dazu laut: "Abschalten, abschalten". Rund
um das Atomkraftwerk ist ihr Ruf zu hören.
15000 sind es laut Veranstalter, die Polizei spricht von 10000 Teilnehmern. SPD, Grüne,
Linke, DKP, Anarchos, Gewerkschafter - alle zeigen ihre eigenen Flaggen. Die meisten aber
die gelbe mit der roten Sonne. Eine solch große Demonstration hat Biblis schon lange nicht
mehr erlebt. Da waren sich Organisatoren wie Polizei einig.
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Fotostrecke Fotostrecke: Tausende Demonstranten vor AKW Biblis
Das fünfminütige "Die In" (Schausterben), sagt Julia, hat ihr nochmal nahegebracht, warum
sie hier sind. "Ich habe mich sehr tot gefühlt", sagt die 33-Jährige und blickt auf die grauen
Betonklötze hinter dem Werkstor. "Und bedroht."
Unverständnis bei Belegschaft
Die Menschenmasse vom Samstag will das nicht länger hinnehmen. Sie fordert ein
sofortiges Abschalten des "Schrottreaktors". Weil die Frage des Endlagers nach wie vor
ungelöst ist. "Die setzen unsere Zukunft aufs Spiel", sagt Desiree (16), die mit dem Rad die
30 Kilometer hergestrampelt ist. "Weil ich es mir nie verzeihen könnte, wenn meine Kinder
Leukämie oder Krebs bekämen", sagt Jonas (22), der aus Heidelberg hierherkam. "Weil die
Atomkraft den Ausbau erneuerbarer Energien verhindert", meint Jörg (19), aus Frankfurt.
Angela (25) hat sich mit gelber und schwarzer Farbe Gesicht und Arme bemalt. "Es wird oft
vergessen, was alles schon war." Als in Tschernobyl Radioaktivität entwich, war sie gerade
einmal ein Jahr alt. Ein paar Meter weiter ruft Michael Wilk vom Arbeitskreis Umwelt
Wiesbaden ins Mikrofon: "Der Betrieb von Atomanlagen ist Körperverletzung - und das gilt
für alle Standorte!"
RWE gibt sich ob der Großdemo indes großzügig: "Jeder hat in einer Demokratie das Recht,
seine Meinung frei zu vertreten", lässt Werksleiter Hartmut Lauer in schriftlicher Form
wissen. "Deshalb dulden wir auch die Kundgebung auf unserem Gelände." Unterstützt wird
er vom stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden, der auf Anruf des RWE-Sprechers vor
das Seitentor kommt: Der Reaktor sei sicher, die Demonstration stoße bei der Belegschaft,
1000 Männer und Frauen, "teilweise auf Unverständnis". RWE sei in der Region ein großer
Arbeitgeber.
Ein Argument, das Wilk vom Arbeitskreis Umwelt auch in seiner Rede anspricht. Die Bibliser
müssten nicht um ihre Jobs bangen. Denn nach dem Abschalten müsse schließlich der
Rückbau erfolgen.
Doch die Fronten sind verhärtet. Das Grüppchen Biertrinker im Bibliser Tennisclub findet
keine netten Worte für die vielen Demonstranten, von denen die ersten schon früh um 7 Uhr
angerückt seien. "Das sind doch Bekloppte", sagt Ludwig Schmitt (74), der 25 Jahre die
Kantine des Kraftwerks beliefert hat. "Das ist die sauberste Energie, die es gibt."
Lesen Sie auch
Menschenkette gegen Atomkraft: Ein 120 Kilometer langes Signal
http://fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/2579301_Fuenf-Minuten-Atomtod-in-Biblis-Tausende-Demonstranten-vor-AKW.html
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- mit dieser Mail möchten wir Euch auf die heutige Radio-Sendung zum 24. Tschernobyl-
Jahrestag hinweisen. Heute, 14-17 Uhr beim Freien Radio für Stuttgart, in Stuttgart unter
99,2 MHZ oder 102,1 im Kabel, sonst via Internet-Stream: www.freies-radio.de
Die Sendung wurde von der Redaktion "Kaktusfunk - Dein klingendes Transparent aus
Ludwigsburg" produziert; das Aktionsbündnis ist Teil dieser Redaktion.
Das Programm der Sendung findet ihr auf der Internetseite des Aktionsbündnis unter
"Termine".
- Des weiteren laden wir Euch nochmals herzlich zur heutigen Mahn- und Protestaktion am
AKW Neckarwestheim ein!
Tschernobyl mahnt - Atomausstieg jetzt!
26.04.2010, 20 Uhr
AKW Neckarwestheim, Tor 1, 20 Uhr
Mit akw-feindlichen Grüßen!
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[abc] Umzingelung Biblis | Tschernobyl-Tag Neckarwestheim am 26.04. | Tschernobyl-Veranst. am 23.04.
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Liebe AKW-GegnerInnen,
am kommenden Samstag findet eine der grössten Anti-AKW-Demonstrationen, die der
Süden dieser Republik je erlebt hat, am AKW Biblis statt. Tausende von Menschen werden
mit der Umzingelung des AKWs den AKW-BetreiberInnen und ihren FürsprecherInnen in
Politik und Wirtschaft zeigen: Es reicht!
Schluss mit dieser Risikotechnologie - die sofortige Stilllegung der AKWs muss jetzt erfolgen!
Die sofortige „Energiewende“ ist machbar!
Gerade auch der Rückblick auf die dramatischen und verheerenden Ereignisse in
Tschernobyl vor 24 Jahren lassen nur eine Forderung zu:
Atomausstieg jetzt sofort – ohne Kompromisse!
* Atomkraft abschalten! Umzingelung des AKW Biblis am 24.4.
Das Aktionsbündnis beteiligt sich aktiv im Trägerkreis dieser Aktion im Rahmen der
bundesweiten Kampagne zum 24. Tschernobyl-Jahrestag.
Kommt nach Biblis – macht Euren Protest öffentlich!
Alle Infos unter http://www.anti-atom-umzingelung.de
Im Bus des Aktionsbündnis gibt es noch einige wenige freie Plätze. Start in Ludwigsburg um
10 Uhr am Bahnhof. Zustieg ist auch in Heilbronn um 10.40 Uhr am Freibad Gesundbrunnen
möglich (kurzer Stopp von 10 Min.). Anmeldung via Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .
Infos auf unserer Internetseite: http://neckarwestheim.antiatom.net
* Info und Benefizveranstaltung in Stuttgart am Freitag, 23.04.
Der Reaktorunfall von Tschernobyl - damals und heute
Tschernobyl mahnt: Atomausstieg jetzt!
Mit Fr. Dr. Siedentopf (Tschernobyl-Hilfe Kostjukovitschi) und Hr. Dr. Sladek (EWS-Schönau)
und dem Belcanto Kinder- und Jugendchor, Stuttgart
Ort: Stuttgart, Bürgerzentrum West, Bebelstraße, Großer Saal
Zeit: Freitag, 23.04.10, 19.30 Uhr
Herzliche Einladung!
* 24 Jahre Tschernobyl
Mahn- und Protestaktion vor dem Atomkraftwerk Neckarwestheim am 26. April
Am Montag, 26. April 2010, dem 24. Tschernobyl-Jahrestag, findet die Mahn- und
Gedenkaktion um 20 Uhr auf dem Parkplatz vor Tor 1 des AKW Neckarwestheim statt.
Jedes Jahr nehmen AKW-GegnerInnen den Tschernobyl - Jahrestag zum Anlass, um vor
dem AKW Neckarwestheim den Opfern der Atomindustrie in Form einer Mahnaktion zu
gedenken. Unverzichtbarer Bestandteil dieser Mahnaktion ist die politische Forderung der
sofortigen Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit.
Bei der Kundgebung wird der Opfer von Tschernobyl gedacht und die dramatischen
Ereignisse, die schlimmen Folgen und die bitteren Erfahrungen durch die AKW-Katastrophe
werden in Erinnerung gerufen.
Hierbei werden alle bisher bekanntgewordenen schweren Störfalle in Atomkraftwerken
weltweit auf Schildern dargestellt. Redebeiträge werden sich auf die Katastrophe in
Tschernobyl, aber auch auf den schleichenden GAU durch Uranabbau sowie die aktuelle
politische Lage beziehen.
Veranstalter der Mahnaktion sind die Initiative „Strom ohne Atom“ Stuttgart, der Bund der
Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) und das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand
Neckarwestheim.
Wir laden herzlich zur Teilnahme an der Veranstaltung ein!
Sonnige Grüsse!
*****
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> Atomkraftwerke abwracken
> Aktions-Quartett von ROBIN WOOD und ContrAtom an vier AKWs
Brokdorf, Brunsbüttel, Krümmel, Neckarwestheim, den 16. April 2010
Mit zeitgleichen Aktionen an den Atomkraftwerken Brokdorf, Brunsbüttel, Krümmel und
Neckarwestheim haben heute AktivistInnen von ROBIN WOOD und ContrAtom für den
sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. In Brunsbüttel stiegen sie auf den
Turm eines Gaskraftwerks am AKW und spannten ein Banner mit dem Slogan: "Stopp
Atom!" In Brokdorf und Neckarwestheim stellten sie Dreibeine aus sieben Meter hohen
Gerüststangen in die Zufahrten und hängten sich in deren Spitze. In Krümmel entrollten sie
ein Banner mit der Aufschrift "Für Ökostrom - Vattenfall abschalten!" Mit ihren Aktionen
rufen sie dazu auf, der Atompolitik von Bundesregierung und Energiekonzernen offensiv
entgegenzutreten und sich in der kommenden Woche massenhaft an den vielfältigen
Protesten anlässlich des Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe zu beteiligen.
Die atompolitische Debatte spitzt sich zu. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU)
lässt eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten auf bis zu 60 Jahre prüfen und bereitet eine
Novelle des Atomgesetzes vor. "Die Pläne der Bundesregierung weisen komplett in die
falsche Richtung. Schon der Atomkonsens war ein fauler Kompromiss. Unter Schwarz-Gelb
soll es noch schlimmer kommen und die Abschaltung selbst der ältesten und unsichersten
Meiler auf den St. Nimmerleinstag hinausgezögert werden", sagt ROBIN WOOD-Aktivist
Daniel Häfner. "Atomkraftwerke gehören abgewrackt - jetzt, für immer und ohne jede
Abwrackprämie in Form von Gewinnen aus dem Verkauf von Reststrommengen."
Die Schrottreaktoren Krümmel und Brunsbüttel stehen seit über zwei Jahren wegen
gravierender Sicherheitsmängel still, ohne dass dies zu Engpässen in der Stromversorgung
geführt hätte. In den Siedewasser-Reaktoren - die beide vom schwedischen Konzern
Vattenfall betrieben werden und E.ON mitgehören - hat es mehrfach schwere Störfälle
gegeben. Dazu zählten der Trafobrand am 28. Juni 2007, die erneuten Trafo-Probleme im
Juli 2009 in Krümmel und die Knallgasexplosion in der Nähe des Reaktordruckbehälters am
14. Dezember 2001, bei der das AKW Brunsbüttel knapp an einer Katastrophe vorbei
schrammte. Die schwedische Atomaufsicht bescheinigte Europas fünftgrößtem
Energieversorger "Mängel in der Sicherheitskultur". Auch deutsche Politiker und Behörden,
nicht zuletzt aus der schleswig-holsteinischen Landesregierung, kritisierten den Skandal-
Konzern.
"Die richtige Antwort auf die mangelnde Zuverlässigkeit des Betreibers Vattenfall kann nur
heißen: Entzug der Betriebserlaubnis für die AKWs Krümmel und Brunsbüttel. Das schließt
aus, dass Vattenfall für seine Schlampereien noch belohnt wird, indem es Reststrommengen
gewinnbringend verkauft und ermöglicht, dass etwa das AKW Brokdorf noch länger am Netz
bleibt", sagt ROBIN WOOD-Energiereferent Dirk Seifert.
Auch die AKWs Neckarwestheim 1 und Biblis A sind zurzeit allein wegen Tricksereien ihrer
Betreiber noch am Netz. EnBW und RWE lassen die Reaktoren nicht mit voller Leistung
laufen, um die ihnen laut Atomgesetz zustehenden Reststrommengen zu strecken - in der
Hoffnung, dass Schwarz-Gelb eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten durchsetzt. "Die AKW-
Laufzeiten zu verlängern, bedeutet ein noch größeres atomares Risiko, noch mehr tödlich
strahlenden Müll, die Stärkung der vier ohnehin marktbeherrschenden Atomkonzerne und ein
Ausbremsen der Erneuerbaren Energien", sagt ROBIN WOOD-Aktivistin Christina Albrecht.
"Da machen wir nicht mit und rufen dazu auf, in der kommenden Woche auf die Straße zu
gehen und gemeinsam ein starkes Zeichen pro Atomausstieg zu setzen."
Gelegenheiten dafür gibt es zahlreich: bei der Aktions- und Menschenkette zwischen den
AKW Brunsbüttel und Krümmel, dem Anti-Atom-Treck nach Krümmel, der Umzingelung des
AKWs Biblis und der Demo am Zwischenlager Ahaus.
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